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    STEUERUNG

    Warum viele Bestell-KIs lügen – und was echte Optimierung wirklich braucht

    Eine Retourenquote von 15 % klingt gut – aber sagt nichts darüber aus, ob richtig bestellt wurde. Viele Bestell-KIs versprechen Optimierung, ohne die eigentliche Komplexität dahinter zu verstehen. Wir zeigen, warum der Branchendurchschnitt ein gefährlicher Maßstab ist.

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    13. April 2026· 5 Min

    Die Bäckereibranche hat ein neues Buzzword: Bestell-KI. Immer mehr Anbieter versprechen, dass ihre künstliche Intelligenz die Bestellprozesse optimiert, Retouren senkt und Umsätze steigert. Klingt gut. Verkauft sich gut. Aber hält es, was es verspricht?

    Die ehrliche Antwort: In den meisten Fällen nicht. Denn die spannende Frage wird fast nie gestellt: Was ist überhaupt die Grundlage für eine Bestell-KI? Und woran misst man echte Optimierung?

    Das Wichtigste in Kürze
    • Retourenquoten allein sagen nichts über die Qualität einer Bestellung aus
    • Viele Bestell-KIs optimieren auf den falschen Wert – und verschleiern echte Probleme
    • Wer Äpfel mit Birnen vergleicht, wird nie verstehen, ob eine Filiale wirklich gut bestellt
    • Echte Optimierung beginnt mit der richtigen Datengrundlage – nicht mit einer KI, die auf Durchschnittswerte trainiert ist

    Das Problem mit der Retourenquote

    Die Retourenquote ist die Lieblingskennzahl der Branche. 19 % im Monat? Klingt nach Luft nach oben. 12 %? Klingt solide. 5 %? Klingt nach Weltklasse.

    Aber was sagt eine monatliche Retourenquote wirklich aus? Nichts. Zumindest nicht darüber, ob richtig bestellt wird, ob das Richtige geliefert wird, ob Kunden bekommen, was sie wollen – oder ob Umsatz auf der Strecke bleibt.

    Eine Retourenquote ist ein Durchschnitt. Und Durchschnitte lügen. Jeden Tag. In jeder Filiale. Bei jedem Artikel.

    Äpfel mit Äpfel vergleichen – nicht mit Birnen

    Stell dir zwei Tage in einer Filiale vor:

    Tag 1: Alles ausverkauft. Retoure: 0 %. Klingt perfekt, oder? Aber was bedeutet das wirklich? Es bedeutet, dass die Filiale ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr verkaufen konnte. Kunden standen vor leeren Regalen. Umsatzpotenzial? Verschenkt. Kundenerlebnis? Schlecht.

    Tag 2: Retoure: 30 %. Klingt katastrophal. Aber vielleicht war es ein Regentag, an dem trotzdem der volle Umsatzplan erreicht wurde – nur eben mit mehr Überschuss.

    Im Schnitt über beide Tage? 15 % Retoure. Eine Zahl, die sich gut anfühlt. Die man in einen Report schreiben kann. Die man dem Chef zeigen kann.

    Aber die Realität dahinter: An Tag 1 wurde schlecht bestellt. An Tag 2 vermutlich auch. Der Durchschnitt kaschiert beide Probleme.

    Und genau hier setzen viele Bestell-KIs an – auf dem Durchschnitt. Auf der falschen Ebene. Mit der falschen Grundlage.

    Was Bestell-KIs wirklich optimieren

    Die meisten Bestell-KIs arbeiten mit historischen Absatzdaten und versuchen, daraus Vorhersagen abzuleiten. Das klingt logisch – ist aber nur die halbe Wahrheit.

    Denn eine gute Bestellung hängt nicht nur davon ab, wie viel in der Vergangenheit verkauft wurde. Sie hängt davon ab, was die Filiale an diesem spezifischen Tag, in dieser spezifischen Situation, für diese spezifischen Artikel braucht.

    Die blinden Flecken

    • Was wurde nicht verkauft, weil es nicht da war?
    • Wie viel Umsatz ging verloren, weil zu früh ausverkauft war?
    • Welche Artikel wurden bestellt, aber nie aktiv nachgefragt?
    • Wie beeinflusst das Wetter, ein Feiertag oder eine Baustelle vor der Tür die echte Nachfrage?

    Die meisten KI-Systeme kennen diese Fragen nicht. Sie optimieren auf eine Zahl – die Retoure – und nennen das Fortschritt.

    Der gefährliche Schein der Optimierung

    Eine Bestell-KI, die die Retourenquote von 20 % auf 14 % senkt, sieht auf dem Papier fantastisch aus. Aber wenn gleichzeitig der Umsatz um 8 % sinkt, weil einfach weniger bestellt wurde, ist das keine Optimierung. Das ist eine Verschleierung.

    Weniger bestellen führt automatisch zu weniger Retoure. Das kann jeder Filialleiter ohne KI. Die Kunst liegt darin, das Richtige in der richtigen Menge zum richtigen Zeitpunkt in der Filiale zu haben.

    Was echte Optimierung ausmacht

    • Artikelgenaue Analyse statt Gesamtdurchschnitt
    • Tagesgenaue Betrachtung statt Monatsmittel
    • Umsatzpotenzial und Retoure zusammen denken
    • Ausverkaufszeitpunkte erkennen und bewerten
    • Filialindividuelle Muster verstehen

    Warum der Branchendurchschnitt nichts taugt

    Viele Anbieter vergleichen ihre Ergebnisse mit dem sogenannten Branchendurchschnitt. Aber was ist der Branchendurchschnitt? Eine Zahl, die niemand exakt kennt. Die sich aus tausend verschiedenen Filialen, Konzepten, Standorten und Sortimenten zusammensetzt.

    Den eigenen Fortschritt am Branchendurchschnitt zu messen, ist wie einen Marathon zu laufen und sich am Durchschnittstempo aller Jogger weltweit zu orientieren. Es sagt nichts über deine individuelle Leistung.

    Echte Optimierung vergleicht dich mit dir selbst. Deine Filiale. Deine Artikel. Dein Potenzial.

    Was wirklich zählt

    Bevor eine KI sinnvoll bestellen kann, braucht sie eine saubere Datenbasis. Und diese Datenbasis beginnt nicht bei der Retoure, sondern viel früher:

    • Welche Artikel werden in welcher Filiale zu welcher Zeit nachgefragt?
    • Wann sind Artikel ausverkauft – und was kostet das?
    • Wie sieht der Tagesverlauf in jeder einzelnen Filiale aus?
    • Welche externen Faktoren beeinflussen die Nachfrage messbar?

    Ohne diese Grundlage ist jede Bestell-KI nur ein teures Ratespiel mit hübschem Dashboard.

    Häufige Fragen

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    Autor bei databites. Schreibt über Steuerung und die Zukunft der Bäckereibranche.

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