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    Kennzahlen & KPIs

    Kennzahlen in der Bäckerei: die 10 wichtigsten KPIs – mit Formeln und Richtwerten.

    Aaron Konken, Data Scientist bei databites

    Von Aaron Konken, Data Scientist bei databites · Aktualisiert am 25. August 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten

    Es gibt Bäckereien, die ertrinken in Zahlen, und Bäckereien, die keine haben. Interessanterweise treffen beide ihre Entscheidungen am Ende gleich: aus dem Bauch. Dieser Guide zeigt die zehn Kennzahlen, die in Filialbäckereien wirklich Entscheidungen tragen – mit Formel, Richtwert und der ehrlichen Fußnote, wann dich die Zahl in die Irre führt.

    Auf dieser Seite
    01 · Umsatz

    Die Umsatz-Kennzahlen

    01

    Umsatz je Filiale

    Umsatz je Filiale = Nettoumsatz pro Filiale und Tag/Woche/Monat

    Die Basiszahl – aber allein fast wertlos, weil sie Lage, Fläche und Öffnungszeiten ignoriert. Eine 4.000-€-Filiale kann besser geführt sein als eine 6.000-€-Filiale.

    Vorsicht: Nie Filialen nach Rohumsatz ranken. Immer in Relation setzen – zu Stunden (→ Stundenleistung), Frequenz oder Vorjahr.

    02

    Kundenfrequenz

    Kundenfrequenz = Anzahl Bons pro Tag

    Zeigt, ob eine Filiale ein Frequenz- oder ein Bon-Problem hat – zwei völlig verschiedene Baustellen. Sinkende Frequenz ist ein Lagen-/Wettbewerbsthema, sinkender Bon ein Sortiments-/Verkaufsthema.

    03

    Durchschnittsbon

    Durchschnittsbon = Umsatz ÷ Anzahl Bons

    Richtwertje nach Konzept meist 4–8 €; Snack-lastige Konzepte höher.

    Der Hebel dahinter: Zusatzverkauf und Sortimentsplatzierung. Kleine Veränderungen wirken groß: +30 Cent auf 500 Bons täglich sind über 50.000 € im Jahr – pro Filiale.

    02 · Produktivität

    Die Produktivitäts-Kennzahlen

    04

    Stundenleistung

    Stundenleistung = Umsatz ÷ geleistete Verkaufsstunden

    Richtwerthäufig 80–120 €/h im Verkauf, stark konzeptabhängig.

    Die wichtigste Personalsteuerungszahl – und die am häufigsten missbrauchte. Wer nur Stundenleistung maximiert, spart sich den Service kaputt: weniger Personal heißt kurzfristig bessere Zahl, langfristig weniger Kunden. Deshalb immer zusammen mit der Kundenleistung lesen – den Unterschied erklären wir ausführlich in Stundenleistung oder Kundenleistung.

    05

    Personalkostenquote

    Personalkostenquote = Personalkosten ÷ Nettoumsatz × 100

    Richtwertin Filialbäckereien häufig 35–45 % – Tendenz durch Mindestlohnrunden steigend.

    Die Quote ist träge: Sie reagiert erst im Monatsabschluss. Steuern kannst du nur die Treiber dahinter – Besetzungsplanung entlang der Frequenz. Mehr dazu unter Personalkosten.

    03 · Ware

    Die Waren-Kennzahlen

    06

    Retourenquote

    Retourenquote = retournierte Menge (oder Wert) ÷ gelieferte Menge × 100

    Richtwertje nach Sortiment 10–20 %; entscheidend ist der Vergleich zwischen den eigenen Filialen.

    Vorsicht: Eine niedrige Retourenquote kann teuer erkauft sein – nämlich mit leeren Regalen ab 16 Uhr. Deshalb nie ohne die nächste Zahl lesen.

    Retouren senken mit System.

    07

    Liefertreue

    Liefertreue = Anteil der Artikel/Zeitfenster, in denen Ware verfügbar war, an allen geplanten

    Die unterschätzteste Zahl der Branche. Sie beantwortet die Frage, die die Retourenquote offenlässt: Haben wir Umsatz verpasst? Produktion & Liefertreue.

    08

    Warengruppen-Anteil (Renner-Penner-Analyse)

    Warengruppen-Anteil = Umsatzanteil je Warengruppe, kombiniert mit Retourenquote je Warengruppe

    Typisch: 20 % der Artikel machen 80 % des Umsatzes – und ein Teil des Sortiments kostet mehr Arbeitszeit, als er einbringt. Grundlage jeder Sortimentsentscheidung.

    04 · Steuerung

    Die Steuerungs-Kennzahlen

    09

    Kundenleistung

    Kundenleistung = bediente Kunden ÷ Verkaufsstunden

    Die faire Schwester der Stundenleistung: Sie zeigt, wie viel Arbeit ein Team wirklich stemmt – unabhängig vom Bonwert der Lage.

    10

    Filial-Score

    Kein Einzelwert, sondern die Zusammenfassung: 4–6 der obigen Kennzahlen, gewichtet, je Filiale – als Wochen-Scorecard. Nicht als Pranger, sondern als Gesprächsgrundlage für den Filialbesuch. Scorecards & Reports.

    05 · Praxis

    Drei Regeln für die Praxis

    Wenige Zahlen, hohe Frequenz.

    Fünf Kennzahlen täglich schlagen fünfzig Kennzahlen monatlich. Immer.

    Zahlen brauchen ein Gespräch.

    Eine Kennzahl ohne festen Termin, an dem jemand über sie spricht, ist Dekoration. Der natürliche Ort ist das Filialgespräch.

    Traue keiner Zahl, deren Herkunft du nicht kennst.

    Doppelte Artikel im Kassenexport, fehlende Storno-Logik, ungepflegte Warengruppen – schlechte Datengrundlagen produzieren präzise aussehenden Unsinn.

    06 · FAQ

    Häufige Fragen

    Wenn es nur eine sein darf: die Retourenquote je Filiale, gelesen zusammen mit der Liefertreue – weil sie Produktion, Planung und Verkauf gleichzeitig spiegelt.

    Täglich einen 5-Minuten-Blick (gestern), wöchentlich eine Scorecard (Trends), monatlich die Quoten (Personalkosten, Wareneinsatz). Alles darüber ist Beschäftigungstherapie.

    Seriös: Es gibt keine allgemeingültigen. Konzept, Lage und Sortiment verschieben jeden Richtwert. Der belastbarste Benchmark ist der eigene Filialvergleich – gleiche Firma, gleiche Regeln, echte Vergleichbarkeit.

    Die Formeln ja. Das Problem ist die tägliche Beschaffung der Daten aus Kasse, Zeiterfassung und Warenwirtschaft – daran scheitert es in der Praxis. Ab ca. zehn Filialen lohnt Automatisierung; vorher reicht Disziplin.
    Aaron Konken, Data Scientist bei databites

    Aaron Konken

    Data Scientist bei databites

    Aaron baut bei databites die Datenmodelle, aus denen diese Kennzahlen jeden Morgen automatisch entstehen.

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